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Ballet Teatro Español von Rafael Aguilar
Carmen Flamenco
Carmen Flamenco - Objekt und Opfer der Begierde
Mérimées Novelle über eine treulose, junge Zigeunerin, die von ihrem vor Eifersucht
rasenden Freund ermordet wird, wurde schon so viele Male mit solcher Brillianz inszeniert,
dass es, so Rafael Aguilar, „nicht ausreichte, einfach Carmen zu zeigen, indem man Carmen
zeigt. Denn Carmen sein, heißt frei sein, jenseits jeglicher moralischer Verpflichtungen.”
Uraufgeführt im April 1992 in Tokio, wurde Aguilars Vision seiner `Carmen Flamenco´
Wirklichkeit: Mit einer Mischung aus Flamenco und Bolero, suggestiven Tanzszenen und
erotischen Choreografien schuf er mit seiner berühmten Tanz-Compagnie Ballet Teatro
Español ein faszinierendes Tanzdrama, das mit großem Erfolg in Japan und ganz Europa
von Presse und Publikum gleichermaßen frenetisch gefeiert wurde.
Diese durch und durch sinnliche Inszenierung, die auf der klassischen Novelle Prosper
Mérimées und der großartigen musikalischen Umsetzung George Bizets basiert, gehört
heute wohl zu den überzeugendsten Carmen-Interpretationen auf der Bühne. Mit den
Ausdrucksmöglichkeiten des modernen Balletts, verbunden mit „klassischem” spanischen
Tanz und der feurigen Musik Andalusiens, wird diese unbändige, alle Begehrlichkeit
weckende, nach Freiheit suchende Carmen auf authentische Weise lebendig.
Der Traum vom erotischen Weib mit tödlicher Konsequenz
Rafael Aguilar über CARMEN FLAMENCO
„Carmen ist die Inkarnation einer teuflischen Frau, deren Gesetze nur ihre Launen sind und
die sich über alle gesellschaftlichen Regeln lustig macht. Für mich ist ihr Geist auf der
ständigen Suche nach ihrer Identität.
Die von unserer Gesellschaft erhobenen Normen hindern sie daran, ihre Persönlichkeit zu
entfalten. Sie träumt vom sozialen Aufstieg; sie träumt vor allem davon, der Eintönigkeit des
Alltags zu entfliehen. Wie schon Prosper Merimée sagte: ‚Das Paradies ist nicht mehr nur für
die bohémiens da.´
Sie fühlt sich nicht nur von der Gesellschaft ausgestoßen, sie ist auch dazu verdammt,
jegliche religiösen und ethischen Prinzipien mit den finsteren Augen der Frustration zu
sehen. Daher verschließt sie sich seit ihrer Kindheit immer mehr hinter einem eisernen
Panzer, um ihre Sensibilität vor Verletzungen zu schützen. Aufgewachsen mit der
Vorstellung absoluter Freiheit widersetzt sie sich den Gesellschaftsnormen und macht ihren
Instinkt zu ihrem einzigen Gesetz.
Sie fühlt sich den anderen Menschen gegenüber erhaben, die sich permanent den Gesetzen
und Prinzipien der Gesellschaft, die sie als langweilig und einengend empfindet, unterwerfen
müssen, und sie zeigt dies auch deutlich durch ihre Arroganz. Ihre Schönheit dient ihr als
Waffe, um wichtige Männer unterwürfig zu machen, indem sie ihnen die erträumte
Vorstellung vom erotischen Weib anbietet und vor allem, um alle Gedanken an das Jenseits
zu bannen. In diesem alltäglichen Spiel, das ihr erlaubt, sich groß zu fühlen, zieht sie auch
Don José an, der alle traditionellen Werte verkörpert, die der Gesellschaft zugehörig sind:
Ehrlichkeit, Gesetzestreue, Mutterliebe und die zärtliche, verleugnete Liebe seiner Verlobten.
Wie sie José erobert, indem sie ihn herumzerrt und erniedrigt, als ob es sich um eine
feindliche Kraft handele, diese Werte unterwerfend und zerstörend, fühlt sie sich
gerechtfertigt und befreit. Letztendlich, dieses schmerzhaften Spieles müde, wünscht sie
sich den Tod. Sie nähert sich ihm, indem sie die Grenze des Spiels überschreitet und – in
einem letzten Aufruhr der Treulosigkeit und des Stolzes, ‚Schlachte mich also oder lasse
mich gehen´ – Don Josés Werte einem verzweifelten Nihilismus ausliefert.“
Rafael Aguilar über CARMEN FLAMENCO
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